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Gastro-Index · Methodik

Methodik & Limitationen

Der Gastro-Index misst, er befragt nicht. Diese Seite legt offen, woher die Daten kommen, welche Grundgesamtheiten hinter jeder Zahl stehen, wo die Methode bewusste Grenzen zieht — und wo sie ungewollte hat. Wer den Index zitiert, sollte diese Seite gelesen haben.

Erhebungsdatum / Stand 7. Juli 2026

01 — Datenquelle & Erhebung

Woher die Daten kommen

Grundlage ist OpenStreetMap (ODbL-Lizenz, community-gepflegt) — jeder erfasste Gastronomie-Betrieb (amenity=restaurant/fast_food/cafe/bar/pub/biergarten/ food_court/ice_cream/nightclub) in Deutschland, Österreich und der Schweiz, nicht eine Stichprobe. Darauf aufbauend wertet ein eigener Crawl die Website-Signale der Betriebe aus, die einen `website`-Tag oder einen erkennbaren Domain-/Plattform-Link tragen.

Crawl-Etikette: jeder Abruf respektiert `robots.txt`, identifiziert sich mit einem eigenen User-Agent (GastroSightBot) und läuft mit konservativem Rate-Limiting — der Index will Websites auswerten, nicht belasten.

Zwei Bezugsgrößen — bewusst getrennt

Fast alle Kennzahlen — Struktur (Küchen-Verteilung, Ketten-Anteil, Betriebsart-Mix, vegetarisch/vegan) und Digitalisierung — beziehen sich auf die vollständige DACH-Erhebung: alle 269.448 erfassten Betriebe, auch die in Orten unter 20.000 Einwohnern. Eine Vollzählung, keine Stichprobe.

Nur die Dichte pro 1.000 Einwohner und das darauf beruhende Städte-Ranking brauchen eine engere Bezugsgröße — sie rechnen ausschließlich für Städte ab 20.000 Einwohnern, weil es nur dort eine amtliche Einwohnerzahl als Nenner gibt. Innerhalb der Digital-Kennzahlen wird zusätzlich zwischen Gruppe 1 (alle Betriebe) und Gruppe 2 (Betriebe mit bestehender Website) unterschieden (unten). Welche Bezugsgröße gilt, steht neben jeder Zahl.

02 — Grundgesamtheiten

Gruppe 1 & Gruppe 2 — zwei Bezugsgrößen, nie verwechselt

Jede Digitalisierungs-Zahl im Index steht auf einer von zwei Grundgesamtheiten. Welche das ist, steht neben jedem Wert — nie stillschweigend.

Gruppe 1 · Alle erfassten Betriebe

269.448

Alle 269.448 erfassten Betriebe der DACH-Vollzählung — auch die in Orten unter 20.000 Einwohnern. Basis für den Web-Auftritt-Typ (eigene Domain / Site-Builder / nur Plattform-Link / kein Web-Auftritt).

Gruppe 2 · Betriebe mit Website

80.871

Betriebe (POI-gezählt), deren bestehende Website wir ausgewertet haben — 30,0 % von Gruppe 1. Basis für alle Signal-Quoten (HTTPS, Mehrsprachigkeit, Newsletter, App, Gutschein, Online-Speisekarte …).

Gruppe 2, doppelt ausgewiesen

Gruppe 2, POI-gezählt ("X % der Betriebe") 80.871
Gruppe 2, Domain-gezählt ("X % der Webauftritte") 70.298

Jedes n wird in beiden Zählweisen ausgewiesen, weil ein Signal einmal pro Domain vorliegt, aber eine Kette mit 278 Standorten und einer Domain real 278 Betriebe sind — s. Gewichtung unten.

Website-Status-Verteilung (Anteil an Gruppe 1)

Kein Web-Auftritt
58,0 %
Erfolgreich gecrawlt
25,9 %
Crawl fehlgeschlagen
11,1 %
Kein Impressum gefunden
3,7 %
Nur Plattform-Link
0,5 %
Nur JS-Rendering (SPA)
0,4 %
robots.txt verbietet Crawl
0,4 %
Nur PDF-Impressum
0,0 %

Quelle: Kiosa Gastro-Index, Stand 7. Juli 2026

03 — Gewichtung

Warum eine 278-Filialen-Kette nicht als eine Stimme zählt

Digitalisierungs-Signale liegen einmal pro Domain vor — "X % der Betriebe" zählt aber Betriebe (POIs). Eine Kette mit 278 Standorten und einer gemeinsamen Domain darf die Quote weder dominieren noch untergehen. Die verbindliche Regel:

  • Primär, Schlagzeile: POI-gewichtet ("X % der Betriebe") — das Signal der Domain gilt für jeden ihrer Standorte.
  • Immer zusätzlich: nach Segment gesplittet (Ketten vs. unabhängig) — entschärft den Ketten-Dominanz-Einwand sichtbar, statt ihn zu verstecken.
  • Sekundär, Methodik-Zahl: Domain-gewichtet ("X % der Webauftritte") — wird mitberechnet und ausgewiesen, ist aber nie die Schlagzeile.

Jede angezeigte Zahl trägt beide Nenner (n Betriebe UND n Webauftritte) — nie nur einen.

04 — Mindest-n & Unterdrückung

Warum manche Zahlen fehlen — mit Absicht

Jede angezeigte Zahl braucht mindestens 30 Datenpunkte in ihrer Basis (Struktur-Metriken: nPois ≥ 30; Digital-Metriken zusätzlich nDomains ≥ 30 für die Domain-gewichtete Methodik-Zahl) — dieses Gate gilt pro angezeigter Zahl einzeln, auch für jeden Ketten-/Unabhängig-Split für sich. Eine Stadt mit Gesamt-n 140, aber nur 4 ausgewerteten Ketten-Domains, zeigt für das Ketten-Segment die Markierung „zu geringe Datenbasis“ statt einer Prozentzahl. Zwei Städte mit n=8 und n=400 dürfen nie gleich aussehen.

Dasselbe Gate gilt für die Küchen-Verteilung einer Stadt — sie teilt sich die POI-Basis mit Ketten-Anteil und Betriebsart-Mix und wird deshalb ebenfalls als Ganzes unterdrückt, sobald die Stadt unter 30 erfasste Betriebe fällt, statt einzelne Prozent-Balken auf einer zu kleinen Stichprobe zu zeigen.

Küchen-Abdeckung (Tag + Name)

62,9 %

der Betriebe tragen eine auswertbare Küchen-Angabe — als OpenStreetMap-`cuisine`-Tag oder, wo dieser fehlt, eindeutig aus dem Betriebsnamen erschlossen (Pizzeria, China-Restaurant, Eiscafé …). Betriebe ohne beides zählen als „Ohne Angabe“ und werden aus der prozentualen Küchen-Verteilung herausgerechnet — die angezeigten Anteile beziehen sich auf die Betriebe mit Küchen-Angabe, nie stillschweigend umverteilt.

05 — Ausschlüsse

Was der Index bewusst nicht zählt

  • Bäckereien (auch mit Sitzgelegenheit) — eigenes Gewerbe, eigene Wettbewerbsdynamik, nicht Teil der Gastro-Amenities.
  • Namenlose POIs — ohne `name`-Tag ist ein OSM-Punkt oft ein Kartierungs-Artefakt oder eine geschlossene Adresse, kein aktiver Betrieb.
  • Gemeinden unter 20.000 Einwohnern — die Referenzliste (destatis/Statistik Austria/BFS) deckt hier ab; kleinere Gemeinden sind nicht Teil der Grundgesamtheit (Gruppe 1).

06 — Standorte ≠ Unternehmen

Ein häufiger Verwechslungs-Fehler — hier explizit vermieden

Der Gastro-Index zählt physische Standorte (OSM-POIs) — eine Kette mit 10 Filialen ist 10 Zählungen. Die amtliche Statistik zählt dagegen umsatzsteuerpflichtige Unternehmen (destatis: rund 206.105 im Gastgewerbe, 2024 — nur Deutschland) — dieselbe Kette ist dort ein Unternehmen mit N Standorten.

Ein Vergleich der beiden Zahlen dient ausschließlich der Größenordnung — niemals einer Deckungsquote ("der Index erfasst X % aller Gastro-Unternehmen"). Das wäre die genaue Einheiten-Verwechslung, die diese Seite vermeiden soll. Zusätzlich gilt: der Gastro-Index selbst ist DACH-weit (Deutschland, Österreich, Schweiz), die destatis-Zahl bezieht sich ausschließlich auf Deutschland — auch das ist beim Vergleich zu berücksichtigen, nicht nur die Standorte/Unternehmen-Einheit.

07 — Wirtschaftsdaten

BIP & Einkommen — amtlich, regional, mit ehrlicher Granularität

Jede Stadt-Seite zeigt zwei wirtschaftliche Kontext-Zahlen: BIP je Einwohner und verfügbares Einkommen je Einwohner. Beide stammen ausschließlich aus amtlichen, frei lizenzierten Quellen — keine gekauften Kaufkraft-Indizes. Es sind regionale Durchschnittswerte, die der Stadt über ihre übergeordnete Region zugeordnet werden — keine stadtscharfe Einzelmessung.

Welche Bezugsebene für eine Zahl gilt, steht als Badge direkt am Wert (Kreis-Ø / NUTS-3-Region / Bundesland-Ø / Kanton-Ø) — bewusst je Land und je Kennzahl unterschiedlich, weil die amtlichen Stellen die Daten auf unterschiedlichen Ebenen veröffentlichen. Nichts wird auf eine feinere Ebene hochgerechnet, als die Quelle hergibt.

Deutschland — VGRdL

BIP und verfügbares Einkommen je Einwohner auf Kreis-Ebene, aus den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Länder (Arbeitskreis „VGRdL“, Erhebungsjahr 2023). Der Wert einer Stadt ist der Durchschnitt ihres (Land-)Kreises. Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0 (dl-de/by-2-0). Währung: Euro.

Österreich — Statistik Austria

BIP je Einwohner auf NUTS-3-Regions-Ebene, verfügbares Einkommen der privaten Haushalte je Einwohner auf Bundesland-Ebene — beide von Statistik Austria (Regionale Gesamtrechnungen). Die beiden Zahlen tragen deshalb bewusst unterschiedliche Badges. Lizenz: CC BY 4.0. Währung: Euro.

Schweiz — Bundesamt für Statistik (BFS)

BIP je Einwohner auf Kanton-Ebene vom BFS, in Schweizer Franken (CHF) — diese Werte sind nicht direkt mit den Euro-Städten vergleichbar (andere Währung, keine Kaufkraftbereinigung). Ein verfügbares Einkommen je Einwohner ist amtlich nicht auf Kanton-Ebene verfügbar und wird deshalb ehrlich als „n/a“ ausgewiesen — nicht als 0 oder geschätzter Wert.

08 — Limitationen

Was der Index nicht sieht — benannt, nicht versteckt

a) Buchung außerhalb der Website ist unsichtbar

Reservierungs- und Lieferungs-Adoption werden ausschließlich website-seitig gemessen. Eine Buchung über das Google Business Profile, Instagram oder schlicht per Telefonanruf ist für den Crawl unsichtbar — jede hier ausgewiesene Quote ist deshalb eine Untergrenze, nie die vollständige Adoption.

b) SPA / js-only: JS-gerenderte Websites liefern nur Teil-Signale

Der Crawl liest Server-HTML — `script`-/`iframe`-Quellen bleiben sichtbar, per JavaScript nachgeladene Links und Inhalte nicht. Bei rein clientseitig gerenderten Single-Page-Apps kann das Signale wie Online-Speisekarte oder Reservierungslink unterschätzen. In der aktuellen Erhebung sind das 0,4 % der G1-Betriebe.

c) Crawl-Erfolgsquote variiert je Stadt

Wie viele Websites einer Stadt eine auswertbare Website haben (Anteil Gruppe 2 an Gruppe 1), schwankt — je nach lokaler Hosting-/CMS-Landschaft und Erreichbarkeit. Deshalb gilt das Mindest-n-Gate (§4) pro Stadt UND pro Segment-Split einzeln, nicht nur einmal pauschal für den ganzen Index.

d) Ketten-Web-Auftritt kann leicht überzeichnet als „kein Web-Auftritt“ erscheinen

Der Domain-Join läuft ausschließlich über den `website`-Tag des einzelnen OSM-POI. Ein Ketten-Standort, der beim Entity-Merge zwar erkennbar zur selben Gruppe gehört, aber selbst keinen `website`-Tag trägt (die Kette hat evtl. eine zentrale Domain, aber der einzelne POI im Datensatz nicht), zählt im Website-Typ als „kein Web-Auftritt“ — obwohl die Kette faktisch online ist. Der Effekt ist auf Ketten-Standorte begrenzt und macht „gar kein Web-Auftritt“ dort tendenziell leicht zu hoch.

09 — Karten-Methodik

Grenzen des Hexagon-Rasters

Die Dichte-Karte rastert in H3-Hexagonen (drei Auflösungen: Region, Stadt, Fein-Raster). Zwei harte Grenzen, die die Karte selbst nicht zeigen kann:

  • Bbox-Rand-Effekt: Zellen am Rand einer Stadt-Bounding-Box zählen nur die POIs innerhalb dieser Bbox — ein konservativer Undercount genau an Stadträndern, nicht ein echtes Dichte-Loch.
  • Feinraster nur in den Top-100-Städten: die beiden feinsten Auflösungen (~Stadt, ~0,5–1,5 km) existieren ausschließlich für die 100 einwohnerstärksten Städte; außerhalb dieser Kohorte zeigt die Karte nur das DACH-weite Regions-Raster.
  • Mindest-Zellwert 3: jede Hexagon-Zelle mit weniger als 3 erfassten Betrieben wird unterdrückt — in jeder Auflösungs-/Filter-Kombination, nie als Einzelpunkt, auch nicht durch Verengung des Filters.

10 — Preise je Gericht

Wie die Gericht-Preis-Hubs ranken

Jeder ausgewiesene Preis ist ein Median, kein arithmetischer Durchschnitt — ein einzelner sehr teurer oder sehr günstiger Eintrag verschiebt ihn nicht. Grundlage sind küchenübergreifende Speisekarten-Einträge je Stadt und Gericht.

Eine Stadt landet im Ranking eines Gerichts, sobald mindestens 10 Einträge vorliegen. Mit 5 bis 9 Einträgen erscheint sie separat als „dünne Datenlage" — unranked, alphabetisch statt nach Preis sortiert, weil der Median dort statistisch unsicherer ist. Unter 5 Einträgen zeigen wir gar keinen Wert.

Die Preis-Hubs decken sieben Signatur-Posten ab (Schnitzel, Pizza Margherita, Pommes, Pasta Bolognese, Cappuccino, Cola, Bier) und werden wie der übrige Index jährlich aktualisiert — das Stand-Datum steht auf jeder Seite. Details je Posten: Preise nach Gericht.

Cola & Bier — eigene Extraktionsmethode

Getränke-Preise laufen über ein zweistufiges Verfahren statt der einstufigen Speisekarten-Auswertung der übrigen Gerichte: ein deterministischer Regex-Kandidaten-Finder liest Größe/Preis-Paare aus dem Speisekarten-Textkorpus, danach prüft ein LLM jede einzelne Zeile gegen ihr wörtliches Karten-Zitat. Ein Blind-Check zeigte, dass Regex allein zu unzuverlässig ist (37 % der Kandidaten wurden in der LLM-Verifikation verworfen — meist Nachbar-Artikel oder Mixgetränke, die der Regex-Fensterscan fälschlich zuordnete).

Größen werden strikt getrennt ausgewiesen (0,2 l bis 0,5 l), nie zu einem Gesamt-Median vermischt — eine 0,2-l-Cola und eine 0,5-l-Cola sind unterschiedliche Produkte. Referenzgrößen für die Hub-Rankings sind 0,33 l (Cola) und 0,5 l (Bier), weitere Größen stehen als nationaler Median unter „Andere Größen" auf der jeweiligen Hub-Seite (nur ab n≥30). Alle Preise sind Restaurant-Preise, nicht mit Einzelhandels-/Supermarktpreisen vergleichbar.

Döner-Lieferpreise — eigene Erhebung, eigene Datei

Der Döner-Lieferdienst-Hub misst Lieferpreise statt Speisekarten-Preise: Grundlage ist die öffentliche Wolt-Consumer-API, ausgewertet nach der festen Regel „günstigster klassischer Döner im Brot je Laden" — deterministisch klassifiziert und anschließend an einer Stichprobe manuell geprüft. Diese Preise stammen aus einer eigenen Datenquelle (price-delivery.json) und fließen NIE in den Speisekarten-Preis-Index (price-index.json) ein — ein Lieferpreis und ein Vor-Ort-Preis sind unterschiedliche Produkte (Plattform-Provision, Liefergebühr), sie in einen gemeinsamen Bucket-Pool zu mischen würde eine falsche Vergleichbarkeit vortäuschen.

Der bestehende Döner-Speisekarten-Median (aus dem regulären Preis-Index) bleibt unverändert bestehen und wird auf der Lieferdienst-Hub-Seite als Kontrast direkt daneben gestellt — beide Zahlen sind durchgehend mit ihrer Quelle beschriftet. Wie die Getränke-Daten wird die Erhebung jährlich aktualisiert.

11 — Lizenz & Zitierregel

Wie der Index zitiert wird

Attribution (Pflichttext bei jeder Weiterverwendung)

Datengrundlage: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL) · Erhebung & Auswertung Kiosa, Stand 7. Juli 2026.

Wirtschaftsdaten (BIP & Einkommen, s. §07): VGRdL (dl-de/by-2-0, DE) · Statistik Austria (CC BY 4.0, AT) · Bundesamt für Statistik BFS (CH).

Zitierregel für einzelne Zahlen

„Kiosa Gastro-Index, 2026“

Presse-Kit-Grafiken tragen diese Attribution bereits eingebrannt (s. Presse-Seite).

Datengrundlage: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL) · Erhebung & Auswertung Kiosa, Stand 7. Juli 2026.