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Preisschwelle

Kiosa Glossar Menu Engineering Von Sven Schneider · Aktualisiert am 2. Juli 2026

Eine Preisschwelle ist ein Preispunkt, dessen Überschreiten der Gast als überproportional großen Preissprung wahrnimmt — die Erhöhung von 9,90 auf 10,20 Euro fühlt sich deutlich größer an als die von 9,50 auf 9,80, obwohl der Betrag derselbe ist. Preisschwellen liegen typischerweise an runden Grenzen: 10, 15, 20 Euro.

Wie ,90er-Endungen wirken

Preise knapp unter der Schwelle (9,90 statt 10,00) nutzen den Effekt, dass Gäste Preise von links lesen: Die 9 vor dem Komma dominiert die Wahrnehmung. Entscheidend ist Konsistenz — eine Karte, auf der 12,90, 13,50 und 14,00 nebeneinanderstehen, folgt erkennbar keiner Logik, sondern ist historisch gewachsen. Das kostet Vertrauen und verschenkt Marge, weil einzelne Gerichte unnötig unter der Schwelle kleben.

Tote Schwellen

Eine tote Schwelle ist ein Preis knapp unter einer Grenze, die für die Zielgruppe keine Rolle mehr spielt. Wer in einem gehobenen Restaurant das Hauptgericht für 28,90 statt 29,00 oder 29,50 anbietet, verschenkt Ertrag ohne Wahrnehmungsgewinn — kein Gast dieses Konzepts entscheidet an der 29-Euro-Grenze. Tote Schwellen sind einer der häufigsten Befunde in Kartenanalysen: Sie summieren sich bei laufendem Volumen zu spürbaren Jahresbeträgen.

Konzept-Abhängigkeit

Ob Schwellenpreise richtig sind, entscheidet das Konzept — eine Regel für alle gibt es nicht:

KonzeptEmpfohlene Preislogik
Quick Service / ImbissSchwellenpreise (,90 / ,50) — preissensible Gäste, Schwellen wirken stark
Casual Dining / Trattoriakonsistente ,90er- oder ,50er-Logik, keine Mischformen
Gehobenes Casual / Brasseriehalbglatte Preise (,50 oder glatt) — ,99 wirkt hier billig
Fine Diningglatte Preise (24 / 38 / 52) — Souveränität schlägt Schwellenpsychologie

Quelle: Erfahrungswerte aus 10 eigenen Betrieben (Mama Trattoria, Hamburg) und Kiosa-Kundendaten.

Die Faustregel: Je höher das Preisniveau, desto weniger Schwellenpsychologie verträgt die Karte. Glatte Preise signalisieren Selbstbewusstsein — ,99-Endungen im Fine Dining wirken wie ein Fremdkörper.

Preisschwellen und Preisspreizung

Preisschwellen sind ein Baustein der Preisarchitektur. Genauso wichtig: ausreichende Preisspreizung innerhalb einer Kategorie und ein bewusster Preisanker am oberen Ende — ein Signature Dish, das die Zahlungsbereitschaft nach oben öffnet. Fehlt der Anker, deckelt das teuerste Gericht die gesamte Karte.


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