Eine Preisschwelle ist ein Preispunkt, dessen Überschreiten der Gast als überproportional großen Preissprung wahrnimmt — die Erhöhung von 9,90 auf 10,20 Euro fühlt sich deutlich größer an als die von 9,50 auf 9,80, obwohl der Betrag derselbe ist. Preisschwellen liegen typischerweise an runden Grenzen: 10, 15, 20 Euro.
Wie ,90er-Endungen wirken
Preise knapp unter der Schwelle (9,90 statt 10,00) nutzen den Effekt, dass Gäste Preise von links lesen: Die 9 vor dem Komma dominiert die Wahrnehmung. Entscheidend ist Konsistenz — eine Karte, auf der 12,90, 13,50 und 14,00 nebeneinanderstehen, folgt erkennbar keiner Logik, sondern ist historisch gewachsen. Das kostet Vertrauen und verschenkt Marge, weil einzelne Gerichte unnötig unter der Schwelle kleben.
Tote Schwellen
Eine tote Schwelle ist ein Preis knapp unter einer Grenze, die für die Zielgruppe keine Rolle mehr spielt. Wer in einem gehobenen Restaurant das Hauptgericht für 28,90 statt 29,00 oder 29,50 anbietet, verschenkt Ertrag ohne Wahrnehmungsgewinn — kein Gast dieses Konzepts entscheidet an der 29-Euro-Grenze. Tote Schwellen sind einer der häufigsten Befunde in Kartenanalysen: Sie summieren sich bei laufendem Volumen zu spürbaren Jahresbeträgen.
Konzept-Abhängigkeit
Ob Schwellenpreise richtig sind, entscheidet das Konzept — eine Regel für alle gibt es nicht:
| Konzept | Empfohlene Preislogik |
|---|---|
| Quick Service / Imbiss | Schwellenpreise (,90 / ,50) — preissensible Gäste, Schwellen wirken stark |
| Casual Dining / Trattoria | konsistente ,90er- oder ,50er-Logik, keine Mischformen |
| Gehobenes Casual / Brasserie | halbglatte Preise (,50 oder glatt) — ,99 wirkt hier billig |
| Fine Dining | glatte Preise (24 / 38 / 52) — Souveränität schlägt Schwellenpsychologie |
Quelle: Erfahrungswerte aus 10 eigenen Betrieben (Mama Trattoria, Hamburg) und Kiosa-Kundendaten.
Die Faustregel: Je höher das Preisniveau, desto weniger Schwellenpsychologie verträgt die Karte. Glatte Preise signalisieren Selbstbewusstsein — ,99-Endungen im Fine Dining wirken wie ein Fremdkörper.
Preisschwellen und Preisspreizung
Preisschwellen sind ein Baustein der Preisarchitektur. Genauso wichtig: ausreichende Preisspreizung innerhalb einer Kategorie und ein bewusster Preisanker am oberen Ende — ein Signature Dish, das die Zahlungsbereitschaft nach oben öffnet. Fehlt der Anker, deckelt das teuerste Gericht die gesamte Karte.
Verwandte Begriffe
- Menu Engineering — der Gesamtrahmen der Kartenoptimierung
- Signature Dish — Preisanker und Aushängeschild
- Bon-Wert — wo sich Preisarchitektur im Ergebnis zeigt
- Deckungsbeitrag — was eine Preisanpassung wirklich bringt
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